Andreas Jacobi

Kopie einer Gambe von Andreas Jacobi nach Hendrick Jacobs von 1680

mehr Bilder/Diashow    Bericht im SWR2 Journal im Oktober 2007

Hendrick Jacobs war einer der bedeutendsten niederländischen Geigenbauer. Seine Arbeiten sind sehr formschön und handwerklich auf hohem Niveau. Die hier beschriebene Gambe mit einer Korpuslänge von 69,7cm, einer gut spielbaren schwingenden Saitenlänge von 71cm, bietet sich zusammen mit ihrer schönen Gestaltung zum Nachbau an. Vorgabe der Auftragsarbeit in 2006 war nicht eine identische Kopie inklusiv allen Verformungen und Zeitspuren des Instrumentes, sondern eine optische Kopie mit einem korrigierten Außenumriss und statisch verbesserter Bebalkung und Bodenstabilität. Insbesondere die oft beschädigten oder sehr stark restaurierten Böden alter Gamben weisen auf die statischen Konstruktionsschwächen eines flachen Balkenbodens im Gegensatz zu ausgearbeiteten und gewölbten modernen Böden hin. Jedoch bedingt bzw. verstärkt gerade dieser flache Boden den typisch leicht nasalen Klang der Gambe.  Meine Bodenkopie ist nicht ganz so dünn gearbeitet und leicht gerundet an den Zargenkranz geleimt.

Die vom Gemeente-Museum in Den Haag erworbene Zeichnung des Instrumentes entspricht im Umriss nur dem des asymmetrischen Bodens. Es ist möglich und durch die ganz leicht windschiefe Stellung der Zargen wahrscheinlich, dass Hendrick Jacobs eine Innenform verwendete und den Decken und Bodenumriss anschließend anpasste. Ich habe mich bei der Untersuchung im Museum für eine symmetrische Außenform zum Zargenaufbau entschieden. So besitzen Decke und Boden die gleiche und symmetrische Kontur. Durch die Außenform sind die Schwankungen der Umrisslinie anders als beim Original relativ klein gehalten.

 

Nachfolgend möchte ich einige Einzelteile des Instrumentes und dessen Besonderheiten beschreiben. Dabei beginne ich mit den Einlagespänen:

 

Hendrick Jacobs verwendete für seine Adern meist Fischbein, das heute aber aus Umweltschutzgründen nicht mehr verwendet werden darf. So wählte ich alternativ einen dreiteiligen Span aus zweimal Ebenholz und einmal Pappel. Um ein interessanteres und dem 17. Jahrhundert entsprechendes Erscheinungsbild des Aderspanes zu erreichen, arbeitete ich gleichmäßige Ebenholzfurniere so nach, dass ein unregelmäßig breiter Span entstand. Da der Adergraben eine gleichmäßige Außenbreite hat, müssen die Unebenheiten über den weicheren, mittleren Pappelspan ausgeglichen werden.

Jeder Spanabschnitt wird ungeleimt dreiteilig in den Adergraben eingepasst, an den Enden im richtigen Winkel angefasst und abschließend eingeleimt. Das Verfahren ist sehr aufwändig, zeigt aber nach der Fertigstellung eine gewisse "Unruhe" in der Einlage, die bei der großen Anzahl der Adern am Boden des Instrumentes einem "sterilen" Erscheinungsbild entgegenwirkt. Das Foto links zeigt die vorsortierten und teilweise schon zugeschnittenen Einlagespanteile und das andere Foto den Ausschnitt aus der Mitte des Bodens des fertigen Instrumentes. Die bewussten Uneben- heiten in der Oberfläche und die variierenden Stärken sind deutlich zu erkennen. Das dritte Bild zeigt den Boden des Nachbaues mit allen von Hendrick Jacobs schön proportionierten Rautenfeldern und der doppelten Einlage am Rand.

Der Hals der Gambe ist sehr reich mit Schnitzereien gestaltet und das Griffbrett, sowie der Saitenhalter mit umfangreichen Intarsien versehen. 

Wie im Original ist der gesamte Wirbelkasten und der Kopfbereich sind mit pflanzlichen Elementen der Eiche verziert: In die Wirbelkastenwände sind ein Eichenast, sowie Blätter und Eicheln geschnitzt. Die Wirbel habe ich vor den Schnitzereien eingefügt, da der Eichenast sich um die Aussparungen herum windet. Dieser Hauptast entspringt scheinbar  dem unteren Ende der Wirbelkastenrückwand, rankt sich mit geschachteltem Blattwerk bis zum Kopf, bildet dort den blättrigen "Haarschmuck" und windet sich von dort in die Wirbelkastenwand hinein. Im Original ist dieser Bereich im Tiefschnitt ausgearbeitet, in meiner Kopie sind die Blätter und Äste runder ausgeformt.  Auch habe ich das Blattwerk im Nacken bis an das Gesicht im Halbkreis herangeführt. Im Original ist der Bereich direkt um den Kopf ohne Verzierungen.

 

Die schmale Verjüngung des Wirbelkastens mit den Zierstichen bildet den optischen "Hals" und schlanken Übergang zum Kopf. Das Gesicht ist dies eines Barockengels, wobei auffällt, dass im Original die Wangen, Kinn und Mundpartie eine konturenarme Oberfläche aufweisen. In der Kopie habe 

 

 

 

 

ich diesen Bereich weniger puttenhaft geformt. Es ist nicht ganz klar, welche Bereiche von Hendrick Jacobs selbst geschnitzt oder eventuell nachgearbeitet wurden. Gut erkennbar sind aber Unterschiede in der Ausarbeitung. Die von mir verwendeten Wirbel der Firma Tempel sind angefertigte Kopien der sich derzeit im Instrument befindlichen Wirbel. 

              

Im Original sowie in meiner Kopie sind die Schnitzereien am Halsfuß stilistisch anders als die des Wirbelkastens. Sie sind plastischer und runder bis zur Grundebene geformt und unterscheiden sich damit deutlich von den Arbeiten am Kopf  bzw. des Wirbelkastens. Die beiden Bilder zeigen das Original und die Kopie.

 

 

Das Griffbrett und der Saitenhalter der sind nicht wie im Original aus hellem Ahorn sondern aus dunklem Ebenholz gefertigt. Die drei Millimeter tiefen Einlagen habe ich  folglich in den "Farben" vertauscht: Pappel - Ebenholz - Pappel und Linde für die eingelegten Vierecke der Umrandungen.

Das Bild rechts zeigt den geschnitzten Kopf mit angehängtem Saitenhalter

 

 

 

Die Rosette mit dem Kranz entspricht der des Originals, die ebenfalls Pergamenteinlagen besitzt. Diese zusätzlichen Pergamente finden sich  z.B. auch bei Peter Rambouts Instrumenten. Der Griffbrettabschluss ist bei meiner Kopie gerundet und nicht wie bei Hendrick Jacobs gerade, um den Blick auf die aus dem Deckenholzblock  herausgearbeiteten Rosette freizugeben. Folglich musste auch der Saitenhalter entsprechend gerundet werden. Das Bild der Deckengesamtansicht zeigt die beiden Abschlüsse. 

 

 

Die nachfolgenden Bilder zeigen die Instrumentenkopie des Instrumentes 

               

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