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Hendrick
Jacobs war
einer der bedeutendsten niederländischen Geigenbauer. Seine Arbeiten sind
sehr formschön
und handwerklich auf hohem Niveau. Die hier beschriebene Gambe mit einer
Korpuslänge von 69,7cm, einer gut spielbaren schwingenden Saitenlänge von
71cm, bietet sich zusammen mit ihrer schönen Gestaltung zum Nachbau an.
Vorgabe der Auftragsarbeit in 2006 war nicht eine identische Kopie inklusiv
allen Verformungen und Zeitspuren des Instrumentes, sondern eine optische
Kopie mit einem korrigierten Außenumriss und statisch verbesserter
Bebalkung und Bodenstabilität. Insbesondere die oft beschädigten oder sehr
stark restaurierten Böden alter Gamben weisen auf die statischen
Konstruktionsschwächen eines flachen Balkenbodens im Gegensatz zu
ausgearbeiteten und gewölbten modernen Böden hin. Jedoch bedingt bzw.
verstärkt gerade dieser flache Boden den typisch leicht nasalen Klang der
Gambe. Meine Bodenkopie ist
nicht ganz so dünn gearbeitet und leicht gerundet an den Zargenkranz
geleimt.
Die
vom Gemeente-Museum in Den Haag erworbene Zeichnung des Instrumentes
entspricht im Umriss nur dem des asymmetrischen Bodens. Es ist möglich und
durch die ganz leicht windschiefe Stellung der Zargen wahrscheinlich, dass
Hendrick Jacobs eine Innenform verwendete und den Decken und Bodenumriss
anschließend anpasste. Ich habe mich bei der Untersuchung im Museum für
eine symmetrische Außenform zum Zargenaufbau entschieden. So besitzen Decke
und Boden die gleiche und symmetrische Kontur. Durch die Außenform sind die
Schwankungen der Umrisslinie anders als beim Original relativ klein
gehalten.
Nachfolgend
möchte ich einige Einzelteile des Instrumentes und dessen Besonderheiten
beschreiben. Dabei beginne ich mit den Einlagespänen:
Hendrick Jacobs
verwendete für seine Adern meist
Fischbein, das heute aber aus Umweltschutzgründen nicht mehr verwendet werden
darf. So wählte ich alternativ einen dreiteiligen Span aus
zweimal Ebenholz und einmal
Pappel. Um ein interessanteres und dem 17. Jahrhundert entsprechendes
Erscheinungsbild des Aderspanes zu erreichen, arbeitete ich gleichmäßige
Ebenholzfurniere so nach, dass ein unregelmäßig breiter Span entstand. Da
der Adergraben eine gleichmäßige Außenbreite hat, müssen die
Unebenheiten über den weicheren, mittleren Pappelspan ausgeglichen werden.

Jeder
Spanabschnitt wird ungeleimt dreiteilig in den Adergraben eingepasst, an den
Enden im richtigen Winkel angefasst und abschließend eingeleimt. Das Verfahren
ist sehr aufwändig, zeigt aber nach der Fertigstellung eine gewisse
"Unruhe" in der Einlage, die bei der großen Anzahl der Adern am
Boden des Instrumentes einem "sterilen" Erscheinungsbild
entgegenwirkt. Das Foto links zeigt die vorsortierten und teilweise schon
zugeschnittenen Einlagespanteile und das andere Foto den Ausschnitt aus der Mitte des Bodens des
fertigen Instrumentes. Die bewussten Uneben- heiten in der Oberfläche und
die variierenden Stärken sind deutlich zu erkennen. Das dritte Bild zeigt
den Boden des Nachbaues mit allen von Hendrick Jacobs schön
proportionierten Rautenfeldern und der doppelten Einlage am Rand.
Der
Hals der Gambe ist sehr reich mit
Schnitzereien gestaltet und das Griffbrett, sowie der Saitenhalter mit
umfangreichen Intarsien versehen.
Wie im Original ist der
gesamte Wirbelkasten und der Kopfbereich sind mit pflanzlichen Elementen der Eiche
verziert: In die Wirbelkastenwände sind ein Eichenast, sowie Blätter und
Eicheln geschnitzt. Die Wirbel habe ich vor
den Schnitzereien eingefügt,
da der Eichenast sich um die Aussparungen herum windet. Dieser
Hauptast entspringt scheinbar dem
unteren Ende der Wirbelkastenrückwand,
rankt sich mit geschachteltem
Blattwerk bis zum Kopf, bildet dort den blättrigen "Haarschmuck"
und windet sich von dort in die Wirbelkastenwand hinein. Im Original ist
dieser Bereich im Tiefschnitt ausgearbeitet, in meiner Kopie sind die Blätter
und Äste runder ausgeformt. Auch
habe ich das Blattwerk im Nacken bis an das Gesicht im Halbkreis herangeführt.
Im Original ist der Bereich direkt um den Kopf ohne Verzierungen.
Die
schmale Verjüngung des
Wirbelkastens
mit den Zierstichen
bildet
den
optischen
"Hals"
und schlanken Übergang zum Kopf.
Das Gesicht ist dies eines Barockengels, wobei auffällt, dass im Original
die Wangen, Kinn und
Mundpartie eine konturenarme Oberfläche
aufweisen. In der Kopie habe
ich
diesen
Bereich
weniger puttenhaft
geformt. Es ist nicht ganz klar, welche
Bereiche von Hendrick Jacobs selbst
geschnitzt
oder eventuell
nachgearbeitet
wurden.
Gut
erkennbar
sind aber Unterschiede in der
Ausarbeitung. Die von mir verwendeten Wirbel
der Firma
Tempel sind
angefertigte Kopien
der sich derzeit im Instrument befindlichen Wirbel.

Im
Original sowie in meiner Kopie
sind die
Schnitzereien am Halsfuß stilistisch anders als die des Wirbelkastens. Sie
sind plastischer und runder bis zur Grundebene geformt und unterscheiden
sich damit deutlich von den Arbeiten am Kopf
bzw. des Wirbelkastens. Die beiden Bilder zeigen das Original
und
die Kopie.
Das Griffbrett und der
Saitenhalter der sind nicht wie im Original aus hellem Ahorn sondern aus dunklem
Ebenholz gefertigt. Die drei Millimeter tiefen Einlagen habe ich
folglich in den "Farben" vertauscht: Pappel - Ebenholz -
Pappel und Linde für die eingelegten Vierecke der
Umrandungen.
Das
Bild rechts zeigt den geschnitzten Kopf mit angehängtem Saitenhalter

Die Rosette mit dem
Kranz entspricht der des Originals, die ebenfalls Pergamenteinlagen besitzt.
Diese zusätzlichen Pergamente finden sich
z.B. auch bei Peter Rambouts Instrumenten. Der Griffbrettabschluss
ist bei meiner Kopie gerundet und nicht wie bei Hendrick Jacobs gerade, um
den Blick auf die aus dem Deckenholzblock
herausgearbeiteten Rosette freizugeben. Folglich musste auch der
Saitenhalter entsprechend gerundet werden. Das Bild der Deckengesamtansicht
zeigt die beiden Abschlüsse.
Die
nachfolgenden Bilder zeigen die Instrumentenkopie des Instrumentes

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